Kunze, Rolf-Ulrich: KSP Portrait – 10 Fragen an Rolf-Ulrich Kunze

Rolf-Ulrich Kunze ist Professor für Neuere und Neueste Geschichte am Institut für Philosophie des Karlsruher Instituts für Technologie. Im Wissenschaftsverlag des KIT ist soeben seine Publikation „Das halbe Jahrhundert meiner Eltern“ (EUKLID : Europäische Kultur und Ideengeschichte. Studien ; 8) erschienen. Im KSP Portrait erfahren Sie Näheres über Autor und Werk.

Weitere biographische Informationen und Kontaktdaten finden Sie am Ende dieses Beitrags.

1. Soeben ist Ihre Veröffentlichung „Das halbe Jahrhundert meiner Eltern“ erschienen: Wie würden sie den Inhalt in drei, vier Sätzen zusammenfassen?

1. Satz: Es geht um die sehr deutsche Familiengeschichte meiner Eltern Rudi Kunze (1925-2001) und Gerda Kunze (1926-2010), die im Zeitalter der Extreme alles zu bieten hat, was hier zu erleben war. 2. Satz: Es geht um einen hollywoodfähigen Filmplot, den Steven Spielberg nur kennen müsste: tiefer Frieden, zivilisationsbrechender Krieg, eine Teenager-Liebe, aus der sehr verspätet etwas wird. 3. Satz: Es geht um zwei Menschen, die während der Kriegsgefangenschaft meines Vaters in der UdSSR von 1945 bis 1956 aufeinander gewartet haben und später genau damit umgehen mussten. 4. Satz: Es geht um meinen älteren Bruder Heinz Rudolf Kunze und mich, was wir aus der Geschichte unserer Eltern als Musiker und Historiker gemacht haben, in Alp- und Tagträumen.

2. Was war Ihre Motivation, wie kamen Sie zu diesem Thema?

1. Motivation: Den Anstoß gab die Familiengeschichte des niederländischen Publizisten Geert Mak, De eeuw van mijn vader (Das Jahrhundert meines Vaters, 1999), eine exemplarische Sozial- und Mentalitätsgeschichte der Niederlande im 20. Jahrhundert. Soetwas wollte ich auch machen. 2. Motivation: Die Hemmung, die Geschichte meiner Eltern als Historiker und jüngster Sohn aufzuschreiben, überwand eine Reihe von EUKLID-Hauptseminaren zusammen mit Prof. Hans-Peter Schütt. Sie galten dem historischen Erzählen Walter Kempowskis (1929-2007), der zur Generation meiner Eltern gehört. In diesem Kontext lernte ich zu akzeptieren, dass Subjektivität nicht das Gegenteil von Objektivität ist, sondern Subjekt-Sein. 3. Motivation: Auf diese Weise etwas über mich zu erfahren. Das trifft zu.

3. Wie lange hat es gedauert von der Idee bis zum fertigen Manuskript?

Begonnen habe ich den Text im jährlichen Sommerurlaub auf der niederländischen Nordseeinsel Terschelling im Juli 2012, abgeschlossen zuhause in Karlsruhe im September diesen Jahres. In mehreren Wellen kamen danach die Bilder dazu.

4. Stichwort „Manuskript“: Schreiben Sie an einem PC, Notebook, Tablet oder mit dem Stift?

Den ersten Teil des Manuskripts schrieb ich als solches mit Kugelschreiber in ein 1988 in Prag gekauftes gebundenes Notizbuch. Der Laptop wäre den Wetterbedingungen der Vordünen auf Terschelling bei Windstärke 6 und Sandflug nicht gewachsen. Da ich leider nicht immer am Strand schreibe, entsteht alles andere am PC: leider, denn der frisst unsere Zeit und windowisiert unsere Sprache und Phantasie.

5. Gibt es bestimmte Werkzeuge, Umstände oder Techniken, die Sie beim Schreiben als besonders hilfreich empfinden?

Unerreichbarkeit per Mail oder Telefon: Gott sei Dank vor den Dünen, mit Blick auf die offene See auf Terschelling (noch) möglich. 2. Coffee, kept flowing. 3. Gute Bildbände, die mir helfen, präzise zu beschreiben.

6. Was bereitet Ihnen beim Schreiben die größte Freude und was nervt sie dabei am meisten?

Freude: Täglich zu schreiben. Das ist mein endorphinerzeugender Ausdauersport. Nerv: Die dumme Frage, was das eigentlich bringe.

7. Wie entspannen Sie während des Schreibprozesses? Was tun Sie um abzuschalten, um sich zu erholen?

Das Schreiben ist die Entspannung.

8. Wenn Sie es sich wünschen dürften: Welchen Bestseller der Wissenschafts- oder Literaturgeschichte hätten Sie gerne selbst geschrieben?

Literatur: John Steinbeck, East of Eden (1952) Geschichte: Eric J. Hobsbawm, The Age of Extremes (1994)

9. Wenn Sie drei andere, aktuelle Veröffentlichungen zu ihrem Fachgebiet empfehlen dürften, welche drei wären das?

Wolfgang Altgeld (Hg.), Liegengebliebenes, Abgelegenes: Zur Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts mit einem Auszug: Die Arbeit des Historikers, minifanal, Bonn 2014. Han van der Horst, De mooiste jaren van Nederland, 1950-2000, Prometheus, Amsterdam 2013 (Ja, Niederländisch ist eine schöne Sprache, die man lernen sollte!). Friedrich Lenger, Metropolen der Moderne. Eine europäische Stadtgeschichte seit 1850, C.H. Beck, München 2013

10. Sie haben Ihr Buch in „KIT Scientific Publishing“, dem Wissenschaftsverlag des KIT, veröffentlicht. Warum haben Sie sich für diesen Verlag entschieden?

Never change a winning team.

Rolf-Ulrich KunzeÜber Rolf-Ulrich Kunze (3 Artikel)

Prof. Dr. phil., Rolf-Ulrich Kunze; geb. 12.11.1968 in Osnabrück; Studium der Rechtswissenschaften, Geschichte, Germanistik und Politischen Wissenschaft in Frankfurt am Main und Würzburg, 1989–95. Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes. Promotion zum Dr. phil. 1995 in Würzburg. Habilitation für Neuere und Neueste Geschichte 1999 in Mainz. Lehrt im Studiengang Europäische Kultur und Ideengeschichte am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Forschungsschwerpunkte: Kulturelle Konstruktion von Konfessionen, Nationalismus, Wissenschaft und Technik.


https://blog.bibliothek.kit.edu/ksp
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