Nicoleit, Thomas: KSP Portrait – 10 Fragen an Thomas Nicoleit

Thomas Nicoleit hat am KIT studiert und wurde 2016 an der Fakultät für Chemieingenieurwesen und Verfahrenstechnik promoviert.
Im Wissenschaftsverlag des KIT ist soeben seine Publikation Konditionierung von biogenen Energieträgern aus den Produkten der bioliq®-Schnellpyrolyse erschienen. Im KSP Portrait erfahren Sie Näheres über Autor und Werk.

Weitere biographische Informationen und Kontaktdaten finden Sie am Ende dieses Beitrags.

1. Soeben ist Ihre Veröffentlichung „Konditionierung von biogenen Energieträgern aus den Produkten der bioliq®-Schnellpyrolyse“ erschienen: Wie würden Sie den Inhalt in drei, vier Sätzen zusammenfassen?
Im Karlsruher bioliq®-Projekt wird aus Rest-Biomassen Benzin hergestellt, wofür mehrere chemische Prozesse nötig sind: Im ersten Schritt wird die Biomasse unter Sauerstoff-Ausschluss gewissermaßen eingekocht (Schnellpyrolyse) und es entsteht ein Brei-ähnliches Gemisch aus Biokohle, Bio-Rohöl, und Reaktionswasser. In meiner Arbeit wurden nun diese Substanzen und deren Mischungen näher untersucht. In den darauffolgenden Prozessschritten wird der sogenannte Biosyncrude in seine molekularen Bestandteile zerlegt, sodass über chemische Verfahren die Kohlenstoff- und Wasserstoff-Atome zu Kraftstoffgemischen synthetisiert werden können.

2. Was war Ihre Motivation dieses Buch zu schreiben, wie kamen Sie zu diesem Thema?
Im 6. Semester (Sommer 2009) wurde ich in der Vorlesung „Sustainable Engineering“ von Dr. Ziegahn auf das bioliq®-Projekt aufmerksam, und habe daraufhin bei AirLiquide (ehem. Lurgi) mein Praktikum und darauf aufbauend auch meine Diplomarbeit im Rahmen des bioliq®-Verfahrens absolviert. Da es ein sehr sinnstiftendes Gefühl ist, sich für die Energiewende zu engagieren, habe ich mit einer Promotion direkt weiter gearbeitet. Die Stiftung der Deutschen Wirtschaft hat dieses Vorhaben dankenswerterweise unterstützt.

3. Wie lange hat es gedauert von der Idee bis zum fertigen Manuskript?
Im Februar 2012 habe ich das Exposé für meine Dissertation entworfen und die Versuchsplanung konzipiert. Zweieinhalb Jahre später ging es dann los mit dem Umzug vom Labor an den Schreibtisch, und im Juli 2015 war die Dissertation im Grunde fertig. Mit der Prüfung (April 2016) und der endgültigen Veröffentlichung (März 2017) hat es dann noch mal etwas gedauert, aber mit einer Mischung aus Geduld und Hartnäckigkeit hat am Ende alles geklappt.

4. Stichwort „Manuskript“: Schreiben Sie an einem PC, Notebook, Tablet oder mit dem Stift?
Mein Schrödinger-Notebook: produktiv und unproduktiv gleichzeitig, da man auch mal Tag und Nacht am Schreiben ist, und manchmal findet man dann eine Veröffentlichung, die genau das gleiche schon publiziert hat, oder LaTeX stürzt ab, oder oder oder… es besteht also immer die Unwissenheit, dass aus der produktiven Arbeit auch mal eine unproduktive Arbeit werden könnte.

5. Gibt es bestimmte Werkzeuge, Services oder Techniken, die Sie beim Schreiben als besonders hilfreich empfinden?
Schreibtraining für Promovierende von Dr. Ulrike Lange (Köln/Uni Bochum): den Schreibprozess auftrennen in den generierenden und den bewertenden/optimierenden Part! Also zunächst mal 20-30 min nehmen und alle Inhalte grob bzw. in Stichpunkten runterschreiben, wie sie gerade im Kopf sind. Während dieser Phase nicht bewerten, zweifeln, ändern oder gar löschen, sondern dies erst danach machen! Das hat mir ungemein geholfen mein Chaos im Kopf mal überhaupt zu Papier zu bekommen, und danach zu strukturieren.

6. Was bereitet Ihnen beim Schreiben die größte Freude und was nervt Sie dabei am meisten?
Laborergebnisse auswerten, Diagramme erstellen und Fazits interpretieren ist ein unglaubliches Gefühl, wenn man viele Monate bzw. zwei Jahre darauf hingearbeitet hat! Wirklich genervt hat mich eigentlich nichts, da man das Ziel ja nicht nur vor Augen hat, sondern es selbst gestalten kann.

7. Wie entspannen Sie während des Schreibprozesses? Was tun Sie um abzuschalten, um sich zu erholen?
Klassische Musik, Sport (Tischtennis, Joggen, Rennrad), Therme, dunkles Hefeweizen, Grape, Age of Empires 2 (mit befreundeten Doktoranden), Tomb Raider 1, How I Met Your Mother, Suits, alle Marvel-Filme

8. Wenn Sie es sich wünschen dürften: Welchen Bestseller der Wissenschafts- oder Literaturgeschichte hätten Sie gerne selbst geschrieben?
Die Werke von Dan Brown: Die spannende Vermischung von Fakten und Fiktion wirft auch für die eigene Weltanschauung so ein paar Fragen auf.

9. Wenn Sie drei andere, aktuelle Veröffentlichungen zu Ihrem Fachgebiet empfehlen dürften, welche drei wären das?
„Production and Storage of Gasifiable Slurries Based on Flash-Pyrolyzed Straw“, Januar 2016, in EnergyTechnology
„Partikelform und Porosität von biogenen Pyrolysekoksen“, August 2015, in ChemieIngenieurTechnik

10. Sie haben Ihr Buch im „KIT Scientific Publishing“, dem Wissenschaftsverlag des KIT, veröffentlicht. Warum haben Sie sich für diesen Verlag entschieden?
Das KIT hat mir eine tolle Zeit ermöglicht, von daher ist es für mich selbstverständlich die Ergebnisse auch über die Kanäle des KIT zu veröffentlichen.

Thomas NicoleitÜber Thomas Nicoleit (1 Artikel)

Thomas Nicoleit gründete während seines Maschinenbaustudiums am KIT gemeinsam mit Studienkollegen das studentische Ingenieurbüro studentec. Die gesammelten Erfahrungen gab er als Dozent für Produktentwicklung an der DHBW Karlsruhe weiter. Parallel zur Promotion absolvierte er ein MBA-Programm am Collège des Ingénieurs. Nach dem dazugehörigen Industrieprojekt im Bereich Organisationsentwicklung ist er als Innovationsmanager bei einem mittelständischen Familienunternehmen eingestiegen und verantwortet die Einführung eines Trendmanagements zum Scouting und Weiterentwickeln neuer Technologien.


https://blog.bibliothek.kit.edu/ksp
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