Bigeard, Simone: KSP Portrait – 10 Fragen an Simone Bigeard

Simone Bigeard wurde 2017 an der Fakultät für für Geistes- und Sozialwissenschaften promoviert. Im Wissenschaftsverlag des KIT ist soeben ihre Publikation Ernst Toller – Facetten eines schriftstellerischen Werks zwischen den Weltkriegen. Eine motivorientierte Untersuchung erschienen. Im KSP Portrait erfahren Sie Näheres über Autorin und Werk.

Weitere biographische Informationen und Kontaktdaten finden Sie am Ende dieses Beitrags.

1. Soeben ist Ihre Veröffentlichung Ernst Toller – Facetten eines schriftstellerischen Werks zwischen den Weltkriegen. Eine motivorientierte Untersuchung erschienen. Wie würden Sie den Inhalt in drei, vier Sätzen zusammenfassen?
Meine Dissertation befasst sich mit literarischen Motiven im Werk des sozialistischen Schriftstellers Ernst Toller, der von 1893 bis 1939 gelebt hat – in einer unglaublich bewegten, geradezu wahnsinnigen Zeit also. Meine Arbeit zeigt eine literarische Technik auf, der sich Toller häufig bedient hat: die Parallelsetzung von Motiven.

2. Was war Ihre Motivation dieses Buch zu schreiben, wie kamen Sie zu diesem Thema?
Ich bin Ernst Toller bereits im Studium begegnet und fand ihn faszinierend. Seine Bildsprache und die Melodie seiner Dramen haben mich damals gleich angesprochen. Außerdem gehört er heute zu den eher “vergessenen” Autoren der zwanziger Jahre, dabei war er zur Zeit der Weimarer Republik berühmter als Bertolt Brecht. Toller war einer der international bekanntesten deutschen Dramatiker – das muss man sich mal vorstellen! Leider wird das literarische Werk Tollers häufig auf die politische Komponente reduziert, weshalb ich den Fokus ganz bewusst auf die Kunstfertigkeit seiner Texte gelegt habe.

3. Wie lange hat es gedauert von der Idee bis zum fertigen Manuskript?
In etwa drei Jahre – die meiste Zeit haben die Vorarbeiten sowie die Korrekturen am Ende in Anspruch genommen, geschrieben habe ich meine Arbeit innerhalb eines halben Jahres. Daher empfehle ich jedem, der eine ähnliche Mammutaufgabe zu bewältigen hat, detaillierte Vorarbeiten zu erstellen (Stichwörter, Exzerpte, Zitate…) – dann geht das Schreiben wie von selbst!

4. Stichwort „Manuskript“: Schreiben Sie an einem PC, Notebook, Tablet oder mit dem Stift?
Sowohl als auch: mit dem Stift, um Ideen zu sammeln; am PC schreibe ich Exzerpte und natürlich die Arbeit selbst; mobile Geräte verwende ich, um “Geistesblitze” festzuhalten…

5. Gibt es bestimmte Werkzeuge, Services oder Techniken, die Sie beim Schreiben als besonders hilfreich empfinden?
Literaturverwaltungsprogramme helfen mir, Exzerpte zu organisieren (und vor allem auch: schnell wiederzufinden!).

6. Was bereitet Ihnen beim Schreiben die größte Freude und was nervt Sie dabei am meisten?
Die größte Freude ist es, wenn ein Kapitel fertig wird. Weniger schön ist dann die Korrekturphase. Wenn man den eigenen Text zu oft liest, ist man am Ende überzeugt, dass er ganz fürchterlich ist!

7. Wie entspannen Sie während des Schreibprozesses? Was tun Sie um abzuschalten, um sich zu erholen?
Ich höre viel Musik! Der Hörsinn kommt in den vielen einsamen Stunden am Schreibtisch sonst zu kurz…

8. Wenn Sie es sich wünschen dürften: Welchen Bestseller der Wissenschafts- oder Literaturgeschichte hätten Sie gerne selbst geschrieben?
Tolstois “Krieg und Frieden” – oder “Shining” von Stephen King. Auf den ersten Blick haben die Bücher wenig miteinander zu tun, doch beide zeigen Menschen in Extremsituationen und wurden von Giganten geschrieben, die den Umgang mit Sprache beherrschen wie kaum jemand sonst. Im geisteswissenschaftlichen Bereich hat mich die “Theorie des kommunikativen Handelns” von Jügen Habermas geprägt – das ist ein Jahrhundertbuch.

9. Wenn Sie drei andere, aktuelle Veröffentlichungen zu Ihrem Fachgebiet empfehlen dürften, welche drei wären das?
Mit der Aktualität ist es in den Geisteswissenschaften ja eine andere Sache als zum Beispiel in den Naturwissenschaften. Gerade in der Germanistik gibt es Monographien, die noch nach 50 Jahren aktuell sind. Im Rahmen der Anfertigung meiner Dissertation hat mich insbesondere die neue Toller-Werkausgabe beeindruckt, die im Wallstein Verlag erschienen ist und von der Ernst-Toller-Gesellschaft herausgegeben wurde.

10. Sie haben Ihr Buch im „KIT Scientific Publishing“, dem Wissenschaftsverlag des KIT, veröffentlicht. Warum haben Sie sich für diesen Verlag entschieden?
Mich hat das Open Access-Modell überzeugt. Da ich von der Landesgraduiertenförderung während meiner Arbeit an der Dissertation mit einem großzügigen Individualstipendium unterstützt worden bin, erschien es mir logisch, dass meine Arbeit der Allgemeinheit auf eine einfache Weise zugänglich sein sollte. Ich bin überzeugt davon, dass die Zukunft der Geisteswissenschaften in Open Access liegt. Das gesamte Finanzierungsmodell der Geisteswissenschaften wird sich in den nächsten Jahrzehnten verändern.

Über Simone Bigeard (1 Artikel)

Simone Bigeard, geboren 1986, hat am KIT Germanistik und Philosophie studiert. 2012 Master of Arts in Germanistik mit einer komparatistischen Arbeit zu den französischsprachigen Gedichten Rainer Maria Rilkes. Von 2012 bis 2016 wissenschaftliche Mitarbeiterin der Literarischen Gesellschaft e. V. Karlsruhe / Museum für Literatur am Oberrhein. Seit 2017 Mitarbeiterin einer Stadtverwaltung im Ortenaukreis. Stipendiatin der Landesgraduiertenförderung Baden-Württemberg, Dissertation zu literarischen Motiven im Werk des sozialistischen Schriftstellers Ernst Toller (1893-1939).


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